Glück ist nicht gleich Glück. Oder: Was ist mein persönlicher Sinn des Lebens?

Der eigentliche Sinn unseres Lebens besteht im Streben nach Glück. Dieser Satz stammt zugegebenermaßen nicht von mir, sondern vom Dalai Lama. Aber was verstehen wir eigentlich unter Glück? Und was können wir tun, um es zu erreichen?

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Ich frage meine Workshop-Teilnehmer oft, was 30.000 wohl für eine Zahl ist. Ist sie ihrer Meinung nach groß oder klein? Zum Beispiel, wenn sie an die Zahlen denken, mit denen sie in ihrem Berufsleben jonglieren. Manche sagen dann „Vielleicht ein Einstiegsgehalt?“ und auch sonst wird 30.000 meistens als eher kleine Zahl wahrgenommen. Erfahrungsgemäß ist es erstmal still, wenn ich sage, dass 30.000 die Zahl der Tage ist, die wir im Schnitt leben. Viele der Teilnehmer sind oft bereits Mitte Vierzig. Und da überlegt man sich in der Regel – bei manchen geht es bereits früher los – wie viel Zeit habe ich noch, und wie glücklich will ich diese Tage verbringen. Und wie fühlt es sich eigentlich an, glücklich zu sein?

Fragt man Menschen, wann sie glücklich sind, so antworten sie oft: Dann, wenn sie ihrer Leidenschaft nachgehen. Zum Beispiel beim Sport oder auf Konzerten. Aber auch: wenn sie mit ihren Kindern spielen, verliebt sind, tanzen … All dies sind solche Momente, die wir am liebsten festhalten wollen, oder bei denen wir darüber nachdenken, dass wir solche Gefühle öfter in unser Leben lassen möchten.

Wir können das Leben nicht verlängern, sondern nur verbreitern. Also den jetzigen Moment voll ausschöpfen und das Beste für uns daraus machen. Genau darum geht es beim Thema glücklich sein.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass glückliche Menschen vor allem drei Dinge gemeinsam haben. Sie sind dankbar, optimistisch und bleiben neugierig. Kinder zum Beispiel sind sehr neugierig und optimistisch, sonst würden sie niemals laufen lernen. Und manche von uns haben schon im Kindesalter eine Leidenschaft oder einen Traum entwickelt und verfolgen diesen mit eisernem Willen. So ist es zum Beispiel bei einem Profi-Biker, mit dem ich arbeite. In seinem Fall ist die Antwort auf die Frage nach den Glücksmomenten sonnenklar. Das sind die Stunden auf dem Bike in der Natur, wenn er seine Grenzen jeden Tag weiter verschiebt, wenn Adrenalin durch seinen Körper jagt, er einen mega „Ride“ ins Ziel gebracht hat und nur im „Tunnel“ unterwegs war. Das heißt: Alles war im Flow – alles kommt ganz von alleine, scheint ganz einfach und wie ein Spiel zu sein! Dann kommt das Glück – es überfällt ihn regelrecht. Es ist ein Feuerwerk an Hormonen und er könnte nicht nur seinen Teamkollegen, sondern die ganze Welt umarmen. Wahnsinn! Wie geil ist das denn?

Und wenn wir keine so großen Ziele haben? Keine so große Leidenschaft? Was bedeutet dann Glück? Ich frage meine Workshop-Teilnehmer oft nach Ihrer persönlichen Leidenschaft. Sie unterhalten sich dann untereinander und erzählen mir im Anschluss, was sie im Leben gerne tun. Manche sagen mir dann etwas beschämt, dass sie eigentlich gar keine große Leidenschaft haben. Sie arbeiten gerne im Garten, gehen spazieren, malen oder basteln im Keller. Andere antworten auch, sie wollen gar keine große Leidenschaft … sie sind einfach zufrieden … zufrieden und glücklich damit, so wie alles ist. Und das ist auch gut so! Nicht jeder muss eine große Leidenschaft oder ein großes Ziel verfolgen, um seinem Leben einen Sinn zu geben. Oft sind es auch die ganz kleinen Dinge, die Glücksgefühle erzeugen. Eine feste Umarmung im richtigen Moment, ein kleiner Zettel mit einer persönlichen Botschaft, ein kleines Geschenk, das etwas mit mir, meiner Situation oder meiner Persönlichkeit zu tun hat.

Ich glaube, ganz viele von uns kennen diese kleinen Momente, wenn uns das Glück einfach so überfällt. Ein Lächeln, ein toller Song, Bilder, die uns an etwas Schönes erinnern oder uns träumen lassen, und schon ergießt sich ein kleiner Glückscocktail in unseren Körper, der uns Energie und vielleicht sogar eine Gänsehaut oder ein Kribbeln verleiht. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Glück ist subjektiv.

Glücksmomente sind auch für Teams ganz entscheidend – und genau solche Momente kann man auf ungewöhnliche Art erzeugen. Ein Beispiel: In meinen Workshops habe ich sogar schon Unternehmensvorstände mit einem Zahnstocher losgeschickt, den sie gegen etwas eintauschen sollten, das mehr wert war. Und das wieder und wieder und wieder.
Die Geschichte, die sie dabei erzählen sollten, war ihre Sache. Ob sie sagen, sie hätten eine durchgeknallte Trainerin, die sie gezwungen hat, mit einem Stückchen Holz loszuziehen oder etwas Eigenes erfinden, bleibt ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass sie kein Geld einsetzen und mit so viel wie nur möglich oder einem so großen Wertgegenstand wie möglich zurückkommen.

Was glauben Sie, was da zuerst immer los ist. Alle halten mich für verrückt, so einen Kinderkram zu veranstalten. Sie wollen meist nicht los, haben nicht die passenden bequemen Schuhe dabei oder sonstige Ausreden. Oder sie fragen sich oder mich, für was sie in diesem Workshop eigentlich Geld bezahlen.

Wenn ich es dann aber geschafft habe, alle „auf die Straße“ zu bringen, was meinen Sie?
Wie kommt die Truppe wohl wieder zurück? Und das jedes Mal! Sie lachen, sind aufgedreht und stolz wie Kids. Und – besonders wichtig – dies alles erleben sie als Team! Dieses Glücksgefühl, gemeinsam ein Ziel mit Spaß, Verhandlungsgeschick, Siegen, Niederlagen und wieder Siegen erreicht zu haben, ist für jedes Team immens sinnstiftend. Das kann im Nachgang auch niemand mehr leugnen. Schließlich war ja jeder selbst dabei.

Übrigens: Die Ausbeute dieser Zahnstocher-Aktionen kann sich sehen lassen. Fahrräder, Eis für alle, teures Parfüm, ein altes Waschbecken und sogar ein lebender Hase wurden schon mitgebracht. Den haben wir jedoch wieder zurückgegeben, da er beim ursprünglichen Besitzer besser aufgehoben war. Die größte Errungenschaft war einmal ein Cabrio für ein Wochenende. Aber ehrlich gesagt: In Wirklichkeit war nicht das Cabrio selbst das Größte –
es war das Gefühl, das zwei vorher zerstrittene Geschäftsführer hatten, nachdem sie gemeinsam mit Spaß etwas erreicht hatten. Das Auto war nur ein weiteres Transportmittel in eine gemeinsame Zukunft, um mit neuem Elan an neuen gemeinsamen Zielen zu feilen. Glück ist eben auch immer wieder eine Überwindungsprämie! ;O)

Deshalb mein Tipp: Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Tun Sie es einfach. Es wird Sie glücklich machen.

Sie sehen: Um Glücksgefühle zu „erzeugen“, gibt es viele Wege. Den perfekten Downhillride, einen gemeinsamen Erfolg im Team oder einfach nur Joggen oder Autofahren. Genauso können wir uns mit Bildern, Ankern – also mit Mentaltraining – dazu bringen, nicht nur vom gemütlichen Sofa aufzustehen und unsere Träume zu verwirklichen, sondern uns eben auch diese Glücksgefühle zu bescheren. Im Kleinen wie im Großen. Ob wir einfach nur gesünder leben wollen oder nach den großen Zielen streben – ganz egal. Wir können am kleinen Cocktail nippen oder ein Vollbad in Dopamin, Phenethylamin oder was auch immer nehmen. Hauptsache ist, dass uns das Glück immer wieder überfällt und wir für diese Momente – wie auch für vieles mehr – dankbar sind!

Dann hat das Leben auch einen Sinn! ;O)

DARE to be happy!

Ihre Daniela Rebholz